Wahrzeichen auf dem Wartenberg ist komplett eingerüstet / Fugenmaterial wird ausgetauscht

 

Calbe macht Bismarckturm widerstandsfähiger

05.09.2013 02:06 Uhr

 

 

Von Andreas Pinkert

 

 

 

 

Seltener Anblick eines komplett eingerüsteten Bismarckturms: Auf 14 Arbeitsetagen schlagen Arbeiter den alten Beton aus den Fugen der Kalksteine. Bei mehr als 1000 Quadratmeter Mauerfläche eine zeitaufwendige Arbeit. | Foto: Andreas Pinkert

 

 

Seit 109 Jahren thront Sachsen-Anhalts höchster Bismarckturm wieder komplett eingerüstet auf dem Wartenberg. Ihr steinernes Wahrzeichen lässt die Saalestadt bis in den Spätherbst umfassend sanieren. Die Sanierungskosten von 240 000 Euro fließen aus Fördermitteln und einem städtischem Eigenanteil.

 

 

 

 

Es ist ein Bild, dass Besucher des Bismarckturmes nicht alle Tage zu Gesicht bekommen. Die dicke Steinmauer des 30 Meter hohen Turms ist von einer Wand aus Stahlrohren eingekleidet. Knapp fünf Wochen hat es gedauert, bis der Turm komplett eingerüstet war. Seit acht Wochen laufen die Sanierungsarbeiten.

 

Nur die Nähte werden erneuert, der "Kleiderstoff" bleibt der alte

 

Wie stark die Witterung an den Glöther Kalksteinen nagte, lässt sich deutlich vor allem am oberen Teil der Turmwand erkennen. Zur Demonstration reibt Bauleiter Otto Bleich die Finger über einen spröden Stein. Kleine graue Partikel platzen sofort ab und fallen vom zwölften Gerüststockwerk in die Tiefe.

 

Bauleiter Otto Bleich zeigt mehr als 100 Jahre alte Stahlträger im Mauerwerk, die korrodierten und dadurch die Steine auseinandertreiben. Sie werden mit Korrosionsschutz versehen. | Foto: Andreas Pinkert

 

"Derzeit schlagen die Männer den alten Beton aus den Fugen", erklärt der Diplom-Bauingenieur aus Barby. Bei einer Mauerfläche von mehr als 1000 Quadratmeter dauere das schon seine Zeit. Der Fugenbeton wurde von März 1983 bis August 1984 von Dessauer Bergsteigern eingebracht, die sich von der Aussichtsfläche abseilten. Nach heutigen Erkenntnissen sei dafür das falsche Fugenmaterial verwendet worden, ist Bleich überzeugt. Der alte Beton steht stellenweise wie ein Gerippe vor den verwitterten Steinen. Platz genug, wo Wasser eindringen und durch Frost enormen Schaden anrichten kann. Die Fugen werden nun mit sogenanntem hydraulischen Kalkmörtel versehen, der sich besser zwischen den Kalksteinen einfügt und witterungsbedingten Belastungen besser standhält.

 

 

Auf der Aussichtsplattform werden Bitumenbahnen auf die Grundierung aufgetragen. Der Rand soll mit einem Edelstahlstreifen versehen werden, um das Eindringen von Wasser zu verhindern. | Foto: Andreas Pinkert

 

Katrin Müller vom Calbenser Bauamt macht bei der Baubesichtigung klar, dass aufgrund des Materials der Turm nicht ewig bestehen werde. Letztendlich werde er mit dieser Sanierung gegen die Witterung besser geschützt. Quasi ein betagtes Kleid, bei dem die Nähte erneuert und der Stoff der Alte bleibt. Auch die Aussichtsplattform erhält eine Bitumenschicht, die am Rand mit einem 24 Zentimeter hohen Edelstahlkranz zur Wand abgedichtet wird. Die Entwässerung erfolgt über neue Rohre, die weiter an der schlagregenabgewandten Turmseite von der Wand ragen als ihre Vorgänger "Bis jetzt ist bei starkem Wind das Wasser direkt ins Mauerwerk geflossen", sagt Bleich. Nässeschäden, die auch in der Ausstellungshalle im Fuß des Turms sichtbar sind und gegen die Stadtrat Rudolf Kramer als Ehrenamtlicher seit Jahren aufmerksam macht und ankämpft. In die Turmluken werden Lamellenfenster eingebaut, die Regen abhalten aber gleichzeitig eine Belüftung garantieren sollen. Ein weiteres Problem stellen nach den Aussagen Bleichs die gemauerten Ringe am oberen Teil des Turms dar. Die spröden Steinplatten liegen lediglich auf. "Wir müssen diese mit zwölf Zentimeter starken Ankerbolzen verbinden, um sie zu sichern", sagt Bleich.

 

 

Möglich gemacht wurde dieses Mammutprojekt durch die Beschlüsse des Stadtrates, das städtische Krankenhaus zu verkaufen und aus dem Gesamterlös knapp 140 000 Euro für die dringend notwendige Sanierung freizugeben. Durch das Leader-Förderprogramm wurden weitere 100 000 Euro zur Verfügung gestellt. Die Mittel müssen in diesem Jahr verausgabt werden. Das Sanierungsende schätzt Bleich auf Ende Oktober.

IM BLICKPUNKT